Mit "Siegfried" bricht der so genannte zweite Tag des "Ring des Nibelungen" an. Daniel Barenboim dirigiert das Orchester der Mailänder Scala in Guy Cassiers' Inszenierung. Lance Ryan, der bereits die Ehre hatte, die Rolle des Siegfried auf den größten Bühnen der Welt zu interpretieren - darunter auch das traditionsreiche Bayreuther Festspielhaus - gibt den jungen, arglosen Helden auf mitreißende Weise. Seine Widersacher Mime, Alberich und der Wanderer werden durch die fantastischen Stimmen von Peter Bronder, Johannes Martin Kränzle und Terje Stensvold zum Leben erweckt. Atemberaubend auch die Solistinnen Nina Stemme, einmal mehr umwerfend in der Rolle der Brünnhilde und Anna Larsson, bewegend als Gottesmutter Erda. Was als heiteres Satyrspiel gedacht war, wird zum Traum und Trauma von Wiederbegegnungen und Entdeckungsreisen im atemberaubenden Zeitraffer. Siegfried rast durch eine Existenz zwischen Horrorfi lm und Slapstickkomödie. Während Brünnhilde und Siegfried ihre Loslösung vom Schicksalsdrama der Väter feiern, kündigt sich bereits das apokalyptische Ende in der Tragödie der ewig verlassenen Kinder an.